Ich genüge mich an meinem Stande,

in den der Höchste mich gesetzt,

Und acht es gar für keine Schande,

bin ich nicht jedem gleichgeschätzt.

Ich darf so wenig meinen Schöpfer

anklagen als der Ton den Töpfer.


Das gestrige Zitat stammt von keiner Geringeren als von Hildegard von Bingen (1098-1179), die man mit Fug und Recht als Universalgelehrte bezeichnen kann. Als 10. Kind ihrer Familie wurde sie von ihren Eltern Gott geweiht. Schon in frühen Klosterjahren zeigte sich eine gewisse Aufmüpfigkeit und Eigenständigkeit indem sie versuchte, die gestrengen Regeln der Askese (wenig Essen, viele und lange Gebete) aufzuweichen. Für sie persönlich schlimmer waren aber ihre Visionen.

Wie schlimm so etwas sein kann, will ich aus eigener Erfahrung berichten: Eine Woche vor dem Einsturz der Zwillingstürme in New York träumte ich, dass ich in Berlin in einem Hochhaus aus dem Fenster schaue und sehe, wie ein Flugzeug den Landeanflug nach Schönefeld abbricht, beidreht und in die Hochhäuser rast. Im Traum sagte ich zu meinem Mann: "Ich geh mal schnell Blut spenden. Hier bricht gleich die Hölle los. Da ist ein Flieger in die Hochhäuser gerast." Beim Aufwachen wunderte ich mich, wie man so einen Mist träumen kann. Wie kann man sich so einen Sch.... ausdenken, dann die Bilder im Fernsehen. Dafür braucht man dann therapeutische Hilfe, damit man nicht durchdreht. Dass man mich im Mittelalter als Hexe verbrannt hätte, davon bin ich überzeugt, aber wenn man auch noch solche Träume hat. Glücklicherweise ist das wohl nicht meine Bestimmung und ich bin dankbar, nicht im Mittelalter zu leben.

Aber auch Hildegart wurde krank von ihren Visionen und suchte sich Hilfe. Sie bat um Erlaubnis, ihre Visionen veröffentlichen zu dürfen. Bernhard von Clairvaux antwortete ihr zunächst noch etwas zögerlich, doch während einer  Synode in Trier bekam Hildegard 1147 schließlich von Papst Eugen III. die Erlaubnis, ihre Visionen zu veröffentlichen. Und das war auch gut so. Die Berufung auf ihre Visionen gaben ihr die Möglichkeit, ihre theologischen und philosophischen Lehrmeinungen zu veröffentlichen. Galt es doch als unumstößlich, dass Frauen aus eigener Kraft nicht zu theologischen Erkenntnissen in der Lage seinen. (Jetzt hatte der Liebe Gott Schuld!) Sie stand auch in regelmäßigem gedanklichem, furchtlosem  Austausch mit den höchsten Vertretern von Staat und Kirche. Und sie wurde gehört!

Im Bereich der Musik betätigte sie sich auch als Komponistin. Man muss sich die Zeit vorstellen, in der sie lebte. Musik gab es in Form von gregorianischen Gesängen, dem Ausdruck von Liturgie- gesungen. Dazu gab es keine Noten oder Anweisungen. Als eine Grundlage kann man noch am ehesten die Kirchentonarten ansehen, eine Harmonik, wie wir sie heute kennen, gab es noch nicht. Hildegarts Musik nimmt in der Gregorianik eine Sonderstellung ein, bei ihr gab es schon plagale und authentische Wendungen.

Für mich als Naturheilkundler ist ihr Wirken im Bereich der Medizin von besonderer Bedeutung. Der Begriff der "Hildegart-Medizin" wurde zwar aus Marketing-Gründen geprägt, aber sie hatte wesentlichen Einfluss auf die Verbreitung der Naturheilkunde. Ihr Verdienst ist es vor allem, das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit der Volksmedizin zusammengebracht und damit einen besseren Verständniszugang geschaffen zu haben. Der Mensch wird als Einheit und Ganzheit betrachtet und so auch behandelt. Viele ihrer Rezepturen und Erkenntnisse haben auch heute noch Gültigkeit.

Doch nun zum neuen Zitat:

Ich genüge mich an meinem Stande, in den der Höchste mich gesetzt. Und acht es gar für keine Schande, bin ich nicht jedem gleichgeschätzt.

Ich darf so wenig meinen Schöpfer anklagen als der Ton den Töpfer.      

Von wem ist dieses Zitat? Sein Vermächtnis hat u.A. auch viel mit Weihnachten zu tun.

Unser heutiger musikalischer Beitrag kommt noch einmal vom Duo Solenne, Christina hat es selbst geschrieben und komponiert. Vielen Dank!!!

Viel Spass mit "Weihnachten heißt Licht":